Warum Südafrika?

„Kann denn aus Afrika etwas Gutes kommen?“, so fragen sich viele Europäer. „Was sollen wir denn von Afrika lernen? Sie haben doch ihr ganzes Wissen und Können erst durch uns erhalten.“ Es sind Stereotype, die die Weltanschauung vieler Europäer prägen. Bilder, die die Medien und Entwicklungsdienste herausfiltern und daraus „das eine Afrika“ kreieren. Hunger, ein mangelhaftes Bildungssystem, Aids, Gewalt, Krieg, Tod – ja, das ist Afrika. Und Afrika braucht uns. Wir müssen Afrika helfen. So heißt es zumindest immer auf europäischer Seite. Ob dieses europäische Eingreifen von Afrikanern selbst gewünscht wird, das weiß man nicht so genau. Dafür müsste man sie als die eigentlichen Subjekte erst einmal befragen und zu Rate ziehen. Aber kein Problem, wir haben schon den perfekten Master-/Marshallplan ausgearbeitet und wissen daher, was Afrika wirklich braucht.

Und auch die Südafrikaner möchten immer wieder von mir wissen: „Warum schreibst Du als weiße Europäerin über (Süd)Afrika? Warum interessierst du dich so für uns?“

Auf beiden Seiten findet sie sich also: Irritation. Bei einigen sogar Unverständnis.

Umso mehr hat mich deshalb das Titelbild dieser Homepage bei meiner Suche Innehalten lassen. Mein allererster Gedanke war tatsächlich: Hier stimmt doch etwas nicht.

(c) lassedesignen - Fotolia.de (Reach out Hands)
(©) lassedesignen – Fotolia.de (Reach out Hands)

Es reckt sich eine schwarze Hand von oben herab. Sie versucht, nach der unteren weißen Hand zu greifen und sie nach oben zu ziehen, sie aufzurichten. Sie eilt ihr zu Hilfe. Die weiße Hand streckt sich ihrerseits gierig der anderen entgegen, bittet um Halt. Aber ist es nicht eher umgekehrt? Wie lässt sich diese Abbildung mit unseren europäischen Vorstellungen von „Afrika“ in Einklang bringen? Das Bild ist eine echte Herausforderung und ein Aufweckruf an uns, uns einem Perspektivwechsel und damit mind shift zu stellen, der lange überfällig ist.

Interessanter Weise lässt sich das Bild ebenso gut spiegeln, sodass es dann tatsächlich das stereotype Bild dasrstellt, welches uns wohl bekannt ist.

Dreht man das Bild noch einmal weiter, so begegnen sich beide Hände genau auf gleicher Höhe und es entsteht der Eindruck, als wollten sich Europäer und Afrikaner die Hände zum Zeichen des Friedens und der Versöhnung reichen. Die beiden Hände berühren einander jedoch nicht, die endgültige partnerschaftliche Gemeinschaft steht noch immer aus.

In diesem einen Foto offenbart sich folglich die gesamte Dynamik und Vieldimensionalität eines Beziehungsprozesses zwischen zwei Personen, die stellvertretend für ihre je eigene Gemeinschaft in diesen Dialog eintreten und die Hände suchend nacheinander ausstrecken. Gerade die beiden ersten Bilder wissen eine große Sehnsucht auszudrücken.

Ich habe mich für dieses Foto in seiner Originalversion entschieden, da es sich hervorragend dazu eignet, meine Absichten mit dieser Homepage zu unterstreichen. Mein persönliches Anliegen ist es, den Dialog zwischen Europa und Afrika weiter zu fördern. Allzu oft erlebe ich bei Konferenzen und Veranstaltungen, dass entweder fast nur weiße Europäer über Afrika oder schwarze Afrikaner über Europa und dessen Einflussnahme auf den afrikanischen Kontinent debattieren. Es wird übereinander, jedoch selten miteinander gesprochen. Diese Beobachtung machte auch eine kamerunische Aktivistin während einer Tagung in Berlin: „Es muss Afrikanern endlich zugestanden werden, mit am runden Tisch sitzen zu dürfen, gemeinsam mit den Europäern. Auf Augenhöhe. Es gibt zwei Optionen: entweder, wir setzen uns gemeinsam an einen Tisch oder wir als Afrikaner werden bald auf der Speisekarte der Europäer stehen.“

In diesem Sinne möchte ich versuchen, sowohl weiße als auch schwarze Leser an meinen persönlichen Erfahrungen als Europäerin im südlichen Afrika Anteil haben zu lassen, um so möglichweise zu einem besseren Verständnis beitragen zu können. Gleichzeitig soll eine Plattform geschaffen werden, die eben auch und vor allem Afrikanerinnen und Afrikanern die Chance bietet, ihre Gedanken mittels von Gastbeiträgen mitzuteilen. Dies empfinde ich als unerlässlich, da ich selbst, trotz meiner Liebe für und meines Interesses an Afrika, nun einmal selbst keine (Süd)Afrikanerin bin. Deshalb kann ich vielmehr nur wiedergeben, was mir afrikanische Freunde über ihre Sprache, Kultur, Politik und ihr Gemeinschaftsleben etc. erklären und berichten. In erster Linie geht es somit darum, zuzuhören, anstatt selbst zu sprechen. Und genau dies ist denke ich leider oft ein Aspekt, den wir allzu oft unbeachtet lassen und wenig ernst nehmen.

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