Alles beim Alten und doch irgendwie anders

„Du kannst hier nicht rein“, sagt der Securitymann zu mir. „Aber ich habe Ihnen doch meinen Reisepass gezeigt“, erwidere ich. Er erklärt: „Nein, du musst einen Studentenausweis haben. Ansonsten darfst du nicht auf das Campusgelände. Geh zum nächsten Eingang, dort werden sie dir weiterhelfen.“ Ich folge seinen Anweisungen, gehe 10 Minuten bis zum nächsten Eingang. Doch es ist das gleiche Spiel: mir wird der Zugang zur Universität untersagt. Unverständnis regt sich in mir: „Aber in meinem Visum steht doch sogar, dass ich hier bin, um an der theologischen Fakultät zu forschen.“ Wieder die Aussage, dass ich einen Studentenausweis bräuchte. „Aber wie soll ich mich denn registrieren, um eine Studentenkarte zu bekommen, wenn ich das Gelände nicht betreten darf?“ Achselzucken, und dann die Aufforderung, ich solle zum Haupteingang des Universitätsgeländes gehen. Noch einmal 20 Minuten laufen.

Dort angekommen heißt es: „Wir müssen den Barcode auf deinem Reisepass einscannen, aber unsere Scanner funktionieren momentan nicht. Du kannst nicht rein.“ Ich diskutiere und verhandle, aber der Wachmann schaut mich nur mit leeren Augen an. Plötzlich steht meine schwarze südafrikanische Freundin auf der anderen Seite des Eingangstores und ruft ihm etwas auf Zulu zu, seine Muttersprache, wie sich herausstellt. Und da erwacht er zu Leben. Die beiden unterhalten sich, sie scheint einen Scherz zu machen über den er lacht. Dann dreht er sich zu mir um: „Sie ist also deine Freundin?“ Ich bejahe, er gibt mir meinen Pass zurück und nickt in Richtung meiner Freundin. „Du kannst gehen.“ Das lasse ich mir nicht zweimal sagen und husche durch das Tor.

Auch wenn sich der Campus selbst nicht verändert hat, so gibt es doch Neuerungen, die mir auffallen. Es gibt deutlich mehr Sicherheitspersonal an allen Ein- und Ausgängen, die die Studierenden kontrollieren. Dies musste ich wie oben geschildert selbst erleben. Früher musste man lediglich seine Studentenkarte durch einen Scanner ziehen, um die Drehtore passieren zu können. Freunde mitzubringen war kein Problem, da man seine Karte unbegrenzt oft scannen und so Außenstehende durchschleusen konnte. Jetzt hingegen öffnen sich die Tore erst, nachdem man den Barcode auf seiner Karte und anschließend seinen Fingerabdruck eingescannt hat. Dazu hat man nur noch zwei Versuche.

Seit den Studierendenprotesten, die 2015 einen ersten Höhepunkt fanden (siehe hier) und 2016 eskalierten (siehe hier), sodass die Universität für drei Monate geschlossen werden und alle Klausuren am Ende des Semesters verschoben werden mussten, scheint die Universität in Alarmbereitschaft zu sein. Man will vermeiden, dass abermals politische Gruppierungen Zugang zur Universität erhalten und das Unterrichten unmöglich machen. „Es wird neue Proteste geben“, da sind sich einige meiner Freunde sicher.

Worum es geht? Um einen gerechten und gleichen Zugang zu Bildung, weshalb die Abschaffung, zumindest aber die Nichterhöhung der Studiengebühren gefordert wird. Darüber hinaus werden die Rufe nach einer Dekolonisation des Bildungssystems sowie der gesellschaftlichen Strukturen immer lauter. So soll Afrikaans, die Sprache der weißen Südafrikaner, als Unterrichtssprache abgeschafft werden. Dies alles sorgt für Zündstoff. Frustration und Unzufriedenheit machen sich bemerkbar.

„Als wir letztes Semester unsere Klausuren geschrieben habe, wurden zuvor unsere Taschen von der Security kontrolliert. Wir durften nichts mit in den Hörsaal nehmen. Während wir die Klausur schrieben, standen drei bewaffnete Wachmänner vor der Tür, um sicherzustellen, dass es zu keinen Unterbrechungen durch Revolten kommt“, berichtet mir ein Kommilitone. Meine andere Kommilitonin nickt bekräftigend und ergänzt: „Der Campus ist eine militarisierte Zone geworden. Sie kontrollieren alles ganz genau.“

Dass die Universität nun während des Registrierungsprozesses auch unsere Fingerabdrücke nimmt und in ein Computersystem einspeist, finde ich befremdlich, immerhin handelt es sich dabei um knapp 55.000 Studierende. Hinzu kommen die Professoren und Angestellten der Universität plus die sich jedes Jahr neu bewerbenden Studierenden. Ob der Datenschutz dabei wirklich sichergestellt ist?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.