Freiheit für Simbabwe?

Über 37 Jahre, sprich seit der 1980 erlangten Unabhängigkeit, war Robert Mugabe Präsident Zimbabwes und damit einer der am längsten regierenden Präsidenten in der Geschichte. Bis zuletzt weigerte er sich, trotz hohen Alters von 93 Jahren, sein Amt niederzulegen. Am vergangenen Montag (21.11.2017) wurde endlich sein Rücktritt im Parlament bekannt gegeben. Zuvor wurde er bereits als Parteivorsitzender der Zanu-PF abgesetzt und von deren Aktivitäten ausgeschlossen.

Ich bin frisch aus Simbabwe zurückgekehrt, wo ich die historischen Umwälzungsprozesse live mitverfolgen konnte.

Es war mein erster Besuch in Simbabwe, welches früher als die „Kornkammer Afrikas“ bezeichnet wurde. Ursprünglich war es meine Intention, mit den Jesuiten vor Ort zu arbeiten und mehr über ihre Bildungs- und Entwicklungsprogramme zu erfahren. In diesem Rahmen habe ich unter anderem das Arupe College der Jesuiten für Philosophie und Humanwissenschaften in Harare besucht. Daneben unterhalten die Jesuiten aber auch eine Vielzahl von Schulen und Internaten, in denen den Schülern die ignatianische Spiritualität näher gebracht wird.

Die Kapelle des Arupe College (© Marita Anna Wagner)

Am College begrüßte mich der Rektor mit den Worten: „Du hast den richtigen Zeitpunkt für deinen Besuch gewählt. Diese Woche wirst du hier viel erleben.“ Recht behielt er. Die Arbeit mit den Jesuiten sollte nicht die einzige prägende Erfahrung meines Aufenthaltes werden.

Ich war bereits am Flughafen in Johannesburg als ich vom Militärputsch in Harare erfuhr – dieser wurde vom Militär selbst natürlich nicht als solcher deklariert. Ich entschied mich dennoch dafür, die Reise anzutreten. Es folgte eine spannende und ereignisreiche Woche.

Zu meiner Überraschung war die Atmosphäre in Harare sehr ruhig und schien, zumindest von außen betrachtet, entspannt. Die Geschäfte waren geöffnet, die Menschen machten ihre Erledigungen. Die Lage war auffallend unauffällig. Doch die internationalen Nachrichtenmeldungen spiegelten ein anderes, sehr viel reißerisches und aufgewühlteres Bild wider. Von den direkten politischen Debatten, die hinter verschlossenen Türen abliefen, war auf den Straßen erst einmal nichts zu erkennen. Und doch lag in der Luft ein gewisses Gefühl der Erwartung. Die Menschen machten sich bereit für den noch unbekannten politischen Ausgang.

Offensichtlich war nur, dass Mugabe endgültig den Rückhalt seiner Partei, der Zanu-PF, verloren hatte. Die SimbabwerInnen setzten daher nun ihre ganze Hoffnung in das Militär. Ihr Wunsch war und ist ein Mugabe-freies Simbabwe, das einen Wandel erfährt.

Protegiert durch das Militär organisierten sich die Bürger deshalb am vergangenen Samstag (18.11.2017), um gegen den dann noch amtierenden Präsidenten Mugabe zu protestieren und dessen Absetzung einzufordern. Tausende Menschen reisten aus dem ganzen Land an, darunter befanden sich auch Schulbusse. „Wir wollen dabei sein, wenn Mugabe zurücktritt. Das ist ein historischer Moment in der Geschichte unseres Landes“, erklärten mir einige Jugendliche. Zusammen mit meinem simbabwischen Freund, der mit seiner Familie in Harare lebt, schloss auch ich mich der Demonstration an.

Der Protestmarsch in Harare (© Marita Anna Wagner)
(© Marita Anna Wagner)

Es beeindruckte mich zu sehen, in welch einer Solidarität und Gemeinschaft die Menschen miteinander marschierten. Sie lachten, sangen Lieder und tanzten. Sie feierten bereits den vermeintlichen Neubeginn ihres Landes, ganz friedlich. Große Freude markierte diese Szene.

(© Marita Anna Wagner)
(© Marita Anna Wagner)

Auf einem der Plakate war zu lesen: „Die simbabwische Armee ist die Stimme des Volkes – Mugabe ist raus!“ Andere Schilder enthielten die Botschaften: „Nein zur Mugabe Dynastie“ oder „Mugabe muss gehen! Danke ZDF (Zimbabwean Defence Force)“.

(© Marita Anna Wagner)

Nachdenklich gemacht hat mich allerdings die große Verehrung und Dankbarkeit, die die Simbabwer dem Militär gegenüber zum Ausdruck gebracht hatten. Die Soldaten wurden als nationale Helden und Befreier gefeiert. Die Menschen machten Selfies vor den durch die Straßen fahrenden Panzern und schüttelten die Hände der Soldaten. Frauen küssten sogar Soldaten zur Belohnung für ihren Einsatz.

Auf unserem Weg nach Hause fuhren mehrere Militärfahrzeuge mit Soldaten neben uns entlang, die Maschinengewehre griffbereit. Doch das schreckte niemanden ab. Ein Mann sprang vor unser Auto und lief zu einem der Wagen hin, um den Soldaten die Schuhe zu polieren. Dabei riss er immer wieder siegreich die geballten Fäuste nach oben und umjubelte die Soldaten.

Die von allen geteilte Botschaft an diesem Tag: „Wir sind endlich frei. Eine neue Ära beginnt.“

Doch ist dies tatsächlich der Fall? Ich habe hieran große Zweifel. Der von Mugabe abgesetzte Vizepräsident, Emmerson Mnangagwa, wurde mittlerweile von der Zanu-PF zum Nachfolger bestimmt. Doch er ist nicht umsonst als „das Krokodil“ bekannt. Er gilt als skrupelloser, autoritärer Hardliner, der großen Einfluss auf das Militär hat. Es besteht die Befürchtung, dass Simbabwe anstatt auf eine Demokratie auf einen Militärstaat zusteuert.

Es bleibt daher die Frage im Raum stehen, ob Zimbabwe wirklich einer solch glorreichen neuen Zukunft entgegensieht, wie dies von vielen SimbabwerInnen gerne geglaubt werden möchte. Zu wünschen wäre es dem Land.

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